132 Fragmente zur deutschen Literatur.
mcnhtit*)." Ja zur philosophischen Vollkommen-heit wohl; aber zum Unglück, daß die -Poesie ineinem andern Elemente athmct.
So löset sich auch der Zweifel eines sprachge-lehcten Mannes hiemit leicht auf **) : „Ich weiß
„nicht, ob cs wahr ist, was man in vielen Bü-„chern wiederholet hat, daß bei allen Nationen, die„sich durch die schonen Wissenschaften hervor gethan„haben, die Poesie eher, als die Prose zu einer ge-wissen Höhe gestiegen scy?" Es ist allerdings wahr,was alle alte Schriftsteller einm üthig behaupten,und was in den neuen Büchern wenig angewandtist, daß die Poesie, lange vorher, ehe es Pro-se gab, zu ihrer größten Höhe gestiegen scy, daßdiese Prose darauf die Dichtkunst verdrungen, unddiese nie wieder ihre vorige Höhe erreichen können.Die ersten Schriftsteller jeder Nation sind Dichter:die ersten Dichter unnachahmlich: zur Zeit der schö-nen Prose wuchs in Gedichten nichts als die Kunst:sie hatte sich schon über die Erde erhoben und suchteein Höchstes, bis sie ihre Kräfte erschöpfte und imAethcr der Spitzfündigkeit blieb. In der spaternZeit hat man blos vecsificirte Philosophie, oder mit-telmäßige Poesie. Ueberhaupt bekommt hierdurch dieganze schone Abhandlung: wie man den poetischenStyl über den prosaischen erheben könne? durchauseine andere Wendung. Sein Grundsatz ist: „Keine„Nation ist weder in der Poesie noch in der Prose
*) Breitingers Krit. Dichtk. LH. ». durchgängig.
**) Klvpstockk Ubhandl. über die poet. Sprache.