128 Fragmente zur deutschen Literatur.
unbestimmt und verworren darüber spricht, oder ambesten — man sage mit D a c i er: wenn die Griechenda sangen, wo wir sprechen, so waren sie — Narren !kurz und gut!
Durchaus muß man aus seiner Zeit, und au§seinem Volke auszugchen wissen, um von entferntenZeiten und Völkern zu urtheilen. Die Nation, dieSitten und Gebrauche auf gut egyptisch ohne Ver-änderung erhält, die Chineser, haben mit ihrerZeichenschrift und Sachensprache auch dasSingen bcibehalten: viele wilde Nationen von al-ten Sprachen und Sitten singen noch, sie habenauch in ihrer Prose den hohen und schwerenAccent, von dem wir so wenig wissen. So wurdealso das Ohr der Alten am Singen vergnügt, wieunser Ohr in der Kindheit sich mit einförmigen Ca-denzcn stillen und einschlafern ließ: Gesang war ih-nen natürlich.
Und in diesen Gesang für das Ohr, sprachennoch mit hundert Stimmen Geb er dun gen undZeichen für das Auge, daß alfo die Rede imneuen Verstände Mahlerei heißt. Wollte ich dieSache acl ovo anfangen: so könnte ich mich hierdarüber ausbreiten, daß Zeichen die Stelle derSchrift vertraten: daß symbolische Handlungen
alles eindrücklich, ehrwürdig und feierlich machten:daß man die Zeichensprache in Frage und Antwortbeliebte — allein dies alles gehört nicht hieher. Ichverweise nur darauf, daß wie wilden und freienNationen, die noch mehr Menschen, und weni-ger Bürger sind, durch Gcberden des Körpers wcitmehr sprechen, als uns das eingeführte Sittsame,
der