126s Fragmente zur deutschen Literatur.
Unmittelbar nach der lebenden Natur, und nicht wiedie neuern nach willkührlichen tobten Ideen, qebüdet,hatten sie nicht blos einen nachdrücklichen Gang fürdas Ohr; sondern waren auch bei der leichtesten An-wendung fähig, mit dem Wirbelwinde zu rasen, inder Feldschlacht zu tonen, mit dem Meere zu wüten,mit dem Fluß zu rauschen, mit dem einstürzcndenFelsen zu krachen, und mit den Thieren zu sprechen.Aus der damaligen nähern Bekanntschaft mit diesen,die wir nicht mehr die Ehre haben zu genießen,rührt auch vcrmutk.'ich die alte poetische Sage, daßin der goldenen Zeit Menschen und Thiere sich ver-standen hätten. Für mich hat dieses Märchen beiPlato und andern viel Reiz und Würde; so wiees auch einige Aufschlüsse über die Kindheit der Dicht-kunst geben konnte. Hier führe ich nur an, daß, wennman es einigen ihrer ältesten Weisen zur Ehre nach-sagt, daß sie, z. E. Melampus, Tiresias undandere, sich hätten mit Thieren besprechen können,noch jetzt die Morgenländer nicht ganz von der Bo-gclsprache weg sind. Ein in der Einöde lebender Ara-ber kann leicht einige Gattungen des Thiergeschreicsunterscheiden lernen, und da eine poetische schwär-mende Einbildungskraft aus jedem Eindruck machenkann, was sie will: so dünkt mich diese erste thieri-sche Sprache den Saamcn zu vielen Erdichtungen insich zu tragen. Die Helden Homers mögen alsomit ihren Pferden sprechen, und Aesop die ganzeNatur in Handlung setzen: mir nicht zuwider.
Lange Zeit war bei den Alten singen und sp re-chen , und das Hochgebildete Wort
eansro) einerlei: Orakel sangen, und die Stim-men, die der Gott sang, hießen Aussprüche
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