124 Fragmente zur deutschen Literatur.
wenn man alles dies unbegreiflich findet — und fin-det man dies nicht, wie kann man den Einfluß aufdie Sprache fremde finden?
Eine Gesellschaft, die tausend Gefahren aus-gesetzt, in unbekannten Gegenden zwischen den Zah-nen und Klauen der Thiere und Thiermenschcn, der-Räuber und Marder umher irret: wo jeder sichdurch einen Freund, wie durch einen Schutzengelseines Lebens sichert, von dem er in einem Augen-blick Hülfe erwartet — eine Gesellschaft, die ausFurcht vor jedem neuen Gegenstände starret — vorjeder ungesehenen Sache, wie vor einem Wunderstaunet — und aus Unwissenheit und Aberglaubenvor ihr niederfällt — ein Bolk, dem also Entsetzen,Furcht, Staunen, Bewunderung, wie bei Kindern,die häufigsten Regungen seyn müssen: ein solchesVolk wird diesen Geist auch seiner Sprache mitthci-len, große Leidenschaften mit gewaltsamen Geberdenund mächtigen Tönen ankündigen, schleunige Bedürf-nisse durch kurze und heftige Accente des Geschreiesmelden: unartikulirte Laute werden sich zu rauhenund cinsylbi,en Worten umarbeitcn: starke und un-gcglattcte Organe werden unbiegsame Töne hervor-stoßcn: der Othem wird sich nicht Zeit nehmen, Lun-ge und Perioden auszudehnen, sondern in kurzenund häufigen Intervallen kommen und wicderkom-men; das wird die Sprache seyn, die nach HorazMenschen machte: denn so lange waren diese Thiere,bis sie Worte fanden: huibus voces ssrwrwcjws
WOtLI'SNt.
Um den Ton Helle und unterscheidend zu geben,habe ich die Saite scharf anzichen müssen: diese