i22 Fragmente zur deutschen Literatur.
lichcr Bemühungen, und die Geburten unseres Ver-standes zu untersuchen? Und Wie interessant wirddie Philosophie über die Kindheit der Sprache, wennich in ihr zugleich die menschliche Seele sich entwi-ckeln , die Sprache nach sich, und sich nach derSprache bilden sehe! — das größte Weck des mensch-lichen Geistes — Ich folge also diesmal zwecn blin-den Heiden , dem Diodor von Sicilien undVitruv: zween katholischen Christen, dem heiligenGregor, und für mich noch heiligem RichardSimon, und in der neuern Zeit einem Akademi-schen und einem jüdischen Weltweisen: Maupcrtu-i s und Moses Mcndclsobn — und setze, wennnicht mehr, so zum Spaß , voraus: „ Menschenge-schlechter haben sich ihre Sprache selbst gebildet. "Und führe, wenn nicht mcbr, so zum Spaß, meineParallele fort: ein MenselMgeschlecht und ein Menschin seiner Kindheit, fern einander ähnlich. Nur redeich nicht von der Erzeugung, auch nicht einmal vonder Geburt: sondern blos von der Kindheit ihrer
Sprache.
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Ebne Sprache in ihrer Kindheit? — man nen-ne di.s Zeitalter, wie man wolle, es bleibt ein Zu-stand der rohen Natur: Natur war damals nochalles: Kunst, Wissenschaft — Schriftsteller,Weltweisen, Sprachkünstler gab es noch nicht: alleswar Volk, das sich seine Sprache bildete — zurNechdurst, und dann allmahlig zur Bequemlichkeit.