Ho Fragmente zur deutschen Literatur.
zu bringen? Welche ungeheure Einbildungskraft diesEine Ideal in allen zu finden, und offenbar sehen zukönnen, daß der Geist des Idiotismus in jeder Haupt-,in jeder Nationalsprache nichts als Anomalie, blosAbweichung von der Regel scy, die wir beliebten? Undwenn nun auch dies Vorbild einer Sprache füralle angenommen wäre: welcher Scharssinn, zu sehen,daß dies V o rb ild au feinmal gebildet, zu sehen,daß es in dem Göttlichen Verstände, und in kei-nem ander gebildet scyn müsse — zu sehen und genausagen zu können: so viel Vollkommenheit, Schönheitund Ordnung konnte in die Sprache von Menschengebracht werden, durch die vereinten Bemühungenganzer Zeitalter, Jahrhunderte und Geschlechter, —Allein diese Ordnung, jene Vollkommenheit, jeneSchönheit geht schlechthin über den menschlichen Ver-stand weg, und wenn ich ihn auch als eine Zusam-mensetzung von Milioncn Köpfen, als eine Produk-tion von ganzen Jahrtausenden, und als cin Ge-schöpf betrachte, zu besten Bildung ein unendlicherZusammenfluß von Zufällen und Kleinigkeiten, cinZustoß von unzahlichen Fehltritten und Situationenbeitragen mußte.
Kurz! die ganze Hypothese vom göttlichen Ur-sprünge der Sprache ist wider die Analogie allermenschlichen Erfindungen, wider die Geschichte allerWeltbegebenheiten, und wider alle Sprachenphiloso-phie. Sie setzt eine Sprache voraus, die durch Den-ken ausgebildet, und zum Ideal der Vollkommenheitausgedacht ist, (cin Bild, das wir uns oft bei allemseinem krüppelhaftcn doch schön und gesund denken,)und bekleidet dies Kind des Eigensinnes, das augcn-