n6 Fragmente zur deutschen Literatur.
und woher nun Nachrichten vom Ursprünge derSprache, die nicht selbst Muthmaßungcn waren?
Ucberdem kcinc menschliche Erfindung ist auf ein-mal da, und am wenigsten die erste und gröfieste allerErfindungen, dieSprache? Nicht war sie gleich,was sie ward, und ist. Denn siehe! diesen majestä-tischen Fluß: cr entsprang — aus einer Quelle, diean sich unbekannt geblieben wäre, hätte sie nicht die-sen Sohn gcbohrcn. Und die Quelle selbst? das istschwerer! Aus dem Verborgenen qu.ll sie hervor!entstand nach und nach: ihren Ursprung hat niemandbemerken wollen, und man hat genug, zu erklä-ren, wie sie hat entstehen können. So ists mitden größten Dingen, sie waren elende Versuche,wurden Spiele <— Handgriffe — Künste — regel-mäßige Künste — und spat genug eine Wissenschaft.So auch mit der Sprache: lies den großen Homer,den Inbegriff aller Sprache der Eött.r, und geheauf den Ursprung dieser göttlichen Sprache zurück:du wirst ihn in den Hüllen menschlicher Nothdurst,in einer Wiege der Kindheit, in Windeln erblicken,deren du dich schämen müßtest.
Und nehmen wir auch nicht so eine hervorragen-de Höhe: gehen wir auch mehr auf den Anfang zu-rück, wann wird das Geschöpf geboren ? wann kommtes ans Licht? wann es schon vollständig gebildet ist:im Verborgenen ward cs gebildet, und — wie eserzeuget wurde, läßt sich ihm nicht a »se-hen. So giebt es bei allen menschlichen Produktio-nen Erzeugung und Geburt: von der letzten fangtsich Gestalt, Lebensalter und Zeitrechnung an; alleinwie viel merkwürdige Veränderung, ja die ganze