Und dieses jugendliche Sprachalter war blos dasPoetische: man sang im gemeinen Leben, und derDichter erhö he te nur seine Accente in einemfür das Dhr gewählten Rhythmus: die Sprache warsinnlich, und reich an kühnen Bildern: sie war nochein Ausdruck der Leidenschaft, sie war noch in denVerbindungen ungefesselt: der Periode fiel auseinan-der wie er wollte — Seht! das ist die pocti che Spra-che, der poetische Periode. Die beste Blüthe derJugend in der Sprache war die Zeit der Dichter:jetzt sangen die und da cs noch keine
Schriftsteller gab, so verewigten sic die Merkwürdig-sten Thaten durch Lieder: durch Gesänge lehrten sie,und in den Gesängen waren nach der damaligen Zeitder Welt Schlachten und Siege, Fabeln und Sitten-sprüche, Gesetze und Mrtlologie enthalten. Daßdies bei den Griechen so gewesen, beweisen die Bu-chertitcl der ältesten verlohrnen Schriftsteller, und daßes bei jedem Volk so gewesen, zeugen die ältestenNachrichten.
Je alter der Jüngling wird, je mehr ernste Weis-heit und politische Gesctzthcit seinen Charakter bildet:je mehr wird ermännlich, und hört auf Jünglingzu ftyn, und eine Sprache, in ihrem männlichen Al-ter, ist die schöne Pros«. Je mehr die Poesie Kunstwird, je mehr entfernet sie sich von der Natur. Jecingezogener und politischer die Sitten werden, je we-niger die Leidenschaften in der Welt wirken, destomehr verlieret sie an Gegenständen. Je mchr manan Perioden künstelt, je mchr die Inversionen ab-schaffct oder durch Kunst vermebret, je mehr bürger-liche und abstrakte Wörter eingeführet werden, je mehr