Erste Sammlung. io5
Sprache haben wir ft viele Urkunden, Nachrichten,Hülfsmittel? welche hat sich ft, ursprünglich und aufihrem eigenen Boden zur Literatur gebildet ? welchehat sich so mancherlcy Gattungen der Literatur, aufeine ihr eigene ursprüngliche Art, anschmiegen ge-lernt? welche ist in allen Gattungen ft'vollkommengeworden? und welche hat ihre Zeitalter so ruhigdurchlebt, dem Wachsthum der Natur ft viel Platzgelassen, und sich gleichsam Zeit genommen zur Bil-dung? Keine als die Griechische! Wenn Urkundeneiner Sprache möglich sind; ft haben wir sie inihr — in ihr eine Menge von Ueberblcibseln undDenkmälern und Nachrichten, als vielleicht nicht inallen übrigen der alten Sprachen zusammen genom-men. Sie ist nicht wie die Literatur anderer Spra-chen ein Baum, der, dem Erdreich als ein Fremd-ling erzwungen, durch die Kunst als ein Sklaveaufgetrieben, und als Weichling erzogen, widerna-türliche Pfropfreiser empfangt, und den ungesundenFleiß seines Treibers nicht anders lohnen kann, alsdurch vorzeitige Früchte: durch Früchte, die dasAuge betrügen, den Geschmack aufbringcn, statt ihnzu besänftigen, und am liebsten die Speise der Wür-mer sind: denn ft war die Literatur anderer Spra-chen. Allein die ihrige war wie ein freiwilligerBaum, aus seiner Wurzel in schöner Erde lang-sam hervorgetreken: aus edler Natur gebar er edleKeime, gesunde Blatter, erquickende Blüthen, vol-lendete Früchte: ft mancherlei Gewächs - und Frucht-arten er empfing; ft wurden alle seine Säfte ver-wandt, und in seine Natur veredelt: nichts an ihmerstickte durch den überwältigenden Schatten eineszu nahen, hohen Baumes: nichts wurde durch die