86 Fragmente zur deutschen Literatur.
serichter Prost, und Shake spear im ungleichsten,fast nie getroffenen Ton übersetzen? Wie riet könn-ten wir von den Britten lernen, und wie wenighaben wir gelernt! Ihr arbeitsamen Deutschen! EinDeutscher Johnson fehlt uns noch, der das fürdie Deutsche Sprache wage, was jener für die sti-nige! Die Philosophie, das Nachdenken, das Sainm-lcn ist ja euer Theil, und wir stehen den Brittenauch in unstrm Eigenthum nach? Wird es bald styn,daß ihr eure Sprache durch Untersuchungen, ihrWcltwcistn! durch Sammlung und Kritik, ihr Phi-lologen! durch Meisterstücke, ihr Genies! zu derjeni-gen macht, die, nach dem Plinius, „alten Sachen„Neuheit; neuen das Ansehen des Altcrthums; ver-kosteten Glanz; dunkeln Licht; widerlichen Reiz;„zweifelhaften Glaubwürdigkeit; allen aber Natur ^verschaffen kann ? werden die besten Deutschen Schrift-steller zu ihrer Titelvignette, bald die drei Grazien,als Sinnbild haben können: die Thalia mit ihren»Füllhorn voll Früchte, die leichte, gefällige Euphro-syne, und die bezaubernde Aglaja? Lasset unseinige neuere Originalschriftstellcr ansühren, diediesen Grazien und mit ihnen dem Genius unsererSprache geopfert haben, und die Ehre unserer Deut-schen Literatur sind*).
*) Anmerk. Ich würde meinen elastischen Schrift-stellern einen Schimpf anthun, wenn ich ihreSchriften erst anführen müßt e. Man wird H a-g e d o r ne n nlchc mit dem Dichter verwechseln,von Moser seine ersten Schriften nehmen, Abbt