8o Fragmente zur deutschen Literatur.
o s des Ovids noch die Elemente der Ideen, in ei-ner harmonichcn Uneinigkeit schlummern, und in ei-ner uneinigen Harmonie sich zur Bildung drangen.Ist ein solcher Schriftsteller noch ein junges Genie,so ist es nicht zu verwundern. Es ist ein Blinder,der noch Menschen als Baume sicht: der Kunstrichtcrversuche die geduldige Eur, seine Augen zum Lichtzu gewöhnen. Die Kinder sollen desto bcsser reden,die spat, und schwer lernen , und solche Dunkelheitist dreimal besser, als jenes langweilige Plappern', mitvielen deutlichen Worten nichts zu sagen. — EinemAlten ist nun fr.ilich der Staar schwerer zu stechen.
Noch öfter rührt diese Dunkelheit her von einerStubengelchrsamkcit, die durch den mündlichen Vor-trag nicht hat lebendig werden können. Durch denmündlichen Vortrag wird man deutlich; man lerntden besten Gesichtspunkt, faßlich zu sinn, bemerken:so lernte Sokrates von seiner Asxasie Weisheit undVortrag: so lerne es der Lehrer in dem Kreise seinerZuhörer, wenn er sie nicht als Maschinen behandelnwill: so trete der Gelehrte in die große Welt, umsich seiner Eathedersprache zu entwöhnen: er erinnereuns nicht so oft, daß er vor seinem Schrcibepultsitzet; er geselle die Deutsche Arbeitsamkeit und Genau-igkeit zur Französischen Freiheit; dann wird er mekrseyn, als ein Französischer Abbe, mehr als ein faderKanzclredncr, Mehr als ein Zeitungsschreiber; kurz!mehr als eine waschhaste Sibylle, die wohlriechende,oder heilige, oder neue und rare Krauter zum Verkauftragt; er wird mehr, aber doch nicht auf Kosten derDeutlichkeit.
Man sagt auch, daß eine aewisse Deutsche Be-scheidenheit, die kurz seyn, die nicht beleidigen, dis
durch