72 Fragmente zur deut'ch.n Literatur.
dachten! der Weg ist leichter, sicherer, rühmlicher;lebe wohl Laune des Ausdrucks!
Darf ichs sagen, daß wir eben dieser Sklavereides Ueblichcn und Geziemenden wegen, noch so weithinten sind, uns eine eigenthümliche Prose, die vomMunde weg spricht, zu geben? Wer wird es wa-gen, ein wahrer Schriftsteller des Volks zu se»n,den höchsten Kranz, den Abbt auf allen seinenRennbahnen erobern wollte? Ablcnken muß man vonder Landstraße unserer Predigten, unserer Wochcn-schnftcn, unserer akademischen Geschichtschreiber —und wer wird das wollen? Unsern kritischen Gesetz-gebern zu Dank hat auch Abbt nicht geschrieben:und warum ist, seines Stpls ungeachtet, ungeachtetdes Wenigen, was er geleistet hat, die Trauer umibn so allgemein? Uebcrall fühlt man bei seinenSchriften mächtig, was sich nicht überall deutlichsaacn laßt: er starb für Deutschland undfür seine Sprache zu früh! Und wollen wireinmal über Materien des gemeinen Lebens auch ineiner andern, als Katbedersprache, schreiben: so müs-sen idiotistische Schriftsteller seyn, die den Bücher-ton zur Sprache des Umgangs, der Prose die vomMunde weg spricht, herunter stimmen, und mit An-stand dem Volke seine Idiotismen rauben.
Idiotismen des Ernstes und des philosopischenNachdrucks sind in unserer Sprache die häufigsten:sie drangen sich wie die Avrmidoncn des Achills aneinander: „Schild an Schild, Helm an Helm,
„Mann an Mann: wie wenn ein Baumeister in der„Mauer des hohen Pallastcs Stein an St.in fügt,„um den Stürmen der Winde zu trotzen." Hierin