64 Fragmente zur deutschen Literatur. .
Er malet der Einbildungskraft ein Gemälde hin, wdjedes Wort von seinem Orte Schönheit erhält —und die.Ordnung der Phantasie ist doch gewiß nichtdie Ordnung der kalten Vernunft.
Diese Inversion ist, um die Aufmerksamkeit zuerregen, jene, um sie zu erhalten; diese überraschet,jene beweget die ganze Seele: diese gehört zum Hin-terhalt, um'unversehens hervor zu brechen; jene ge-hören zur Schlachtordnung, daß jedes Wort an seinemOrte trifft, und in seinem Lichte erscheint. Hier-durch bekommt die Prosc Munterkeit, die PoesieFeuer; und die muntern Franzosen haben es bis zuemuntern Prose des Umganges gebracht; und die In-versionen , die sich unsere gute Poeten haben erlaubenkönnen; gehören mit zur Deutschen Freiheit.
Aber wie? leidet nicht die philosophischeSprache der Deutschen darunter? Was das anbe-trifft: so fühlen wir weit cber Fesseln in der dich-terischen, als philosophischen Sprache; auch wir füh-len es: „daß wir eine Menge besonderer Zwecke gar„nicht durch die ordentliche Wortfügung anzcigcn„können; die wir nur müssen aus dem Zusammen-hänge errathen lassen." Unvollkommenheit unsererSprache von der sinnlichen Seite; aber von der Sei-te der Vernunft? „Zur Weltweishcit *) scheint die„Deutsche Sprache, mehr als irgend eine von den„lebendigen Sprachen, auSgebildet zu seyn. Sie ist„bestimmt und reich genug, die feinsten Gedanken„des Metaphisikers in ihrer nackten Schönheit vor-„zutragcn, und von der andern Seite nachdrücklich„und bilderreich genug, die abgezogensten Lehren
„durch