Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 1 (1821) Fragmente zur deutschen Literatur ; 1
Entstehung
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

53

Fragmente zur deutschen Literatur..

Sprache hat ihren Eigensinn; sondern die Inversio-nen überhaupt: so wird sich ihre Erlaubniß undNutzen von selbst zeigen..

Stillet euch, zwry Geister vor, die sich einanderihre Gedanken, und blos Gedanken unmittelbar mit-thcilen; so wird die Ordnung, in der das eine We-sen sie denket, auch zugleich die seyn, in der sie dasandere erblicket. So wie die Ideen bcp dem einensich entweder aus seinem inncrn Grunde hervorwickeln,oder so, wie es sie aus den Dingen außer sich schöp-fet: - so thcilet es dieselben auch mit. Eine ruhigeVernunft, die nichts als Gedanken einer andernVernunft saget, gehet also den gewöhnlichen Pfadder Zusammensetzung der Begriffe; sie zeiget denGegenstand zuerst und ihr Urtheil darüber an. Hierist also der Bau eines Perioden so regelmäßig be-stimmt, daß, nach der Arabischen Prosodie zu reden,jedes Wort einen Pfosten und Säule ausmacht, dereben hier an seinem Orte stehet.

Betrachtet eine Philosophische Sprache; wäresie von einem Philosophen erdacht: so hübe sie- alleInversionen auf: käme eine allgemeine Sprache zuStande: so wäre bey ihren Zeichen nothwendig je-der Platz und sede Ordnung so bestimmt, als inunserer Dekadik. So lange wir aber noch keinedurchaus Philosophische Sprache haben, die blos fürdie Weltweisheit erfunden wäre: so nehmt die, dieam meisten zur Weltweishcit gebraucht wird, dieLateinische, nehmt sie, wie sie in den Büchern derWeltweisheit ist, wenn sic Lehrsätze und trockene Be-weise vortragt: wie ist sie? ohne Inversionen mei-stentheils; oder wenigstens stehen diese ohne Wir-kung da..