56 Fragmente zur deutsche» Literatur.
weihet worden — mit allen Schwachen und Fehlernbleibt sie eine mächtige hohe-Sprache. Und nichteinmal bewundere ich sie so sehr, wenn sie aus denHohen des' Himmels der Götter die SpracheSions und Thabors spricht, als wenn sie ausden Tiefen der menschlichen Seele Ge-danken und Empfindungen nicht spricht, sondern Ge-stalten bildet. Hier ist er für mich am meistenDichter und Weiser und Psycholog.
Ich komme von ihm zu Luther» zurück, um.über ihn einen Commencac, und aus ihm eine An-thologie zu wünschen, die mehr Nutzen schaffenkonnten, als eine compilicte Ausgabe, und als dasVorzeigen neuausgefundener Raritäten von diesemwahrhaftig großen Manne. Auch mit OpitzensSprache sollten wir vertrauter werden, und ein Glos-sarium über ihn aus dem wahren Geist unserer Spra-che, würde uns die stattlichen Veranderunaen undVerbesserungen cinigermaaßen verleiden, die Trillermit ungeweihten Händen sich erfrechet hat ihm un-terjuschieben.
Wie nützlich wäre dies Fragment, wenn cs ei-nen meiner Leser Hinriffe, die Quellen unserer Spra-che auszusuchen, und an ihnen Salt und Starke zutrinken: ein Trank, der unserer ermatteten lächzcn-den Schreibart gewiß gut thun müßte. Oder konntees auch nur unsere muntern geschwätzigen Kunstrich-terchen beschämen; nicht sogleich das zu verspotten,was sie in ihrer aufgeräumten Sprache gewiß nichtausrichtcn würden. Erst sollte inan doch, ehe manüber Deutsche Schreibart sprechen will, selbst ler-nen : was wahres Deutsch gewesen ist, und bleiben wird-