42 Fragmente zur deutschen Literatur.
wir, zu einer Zeit, da die Accente des Sprechenssich kaum zu erheben scheinen.
Hiezu setze man nun noch Versuche? Nichtin erzwungenem, sondern in einem freien Sylben-maaß, um zu sehen, was für Füße am meisten inunferer Sprache liegen? Ob, wenn man den Ge-danken den Zügel laßt, man Pindarische Oden undTragische Chore erblicken werde, oder einförmigereCadcncen? Und ich glaube alsdenn; tanzt unserDeutsches nicht einmal nach Griechischen Splben-maaßen ungebunden; wie viel minder, wenn esin Metrischen Fesseln so tanzen muß.
Ramler that dies in einer andern Absicht:er lösete die Prose Geßners und Eberts in ihre na-türliche Sylbenmaaße auf, um den Wohlklang zuzeigen. Vielleicht hatte er feurigere Stellen zerglie-dern sollen, die nicht mehr gelesen, sondern dekla-mirt werden müssen, um alsdenn gewiß mehr alsProsaische Harmonie zu entdecken—und ich glaube,wenn man dies thut: so wird man immer wenig'erPolymetrischcs finden, als man zu finden glaubt.
Ich darf nicht mehr versuchen: es hat es einandrer gethan: Klopstock hat „seine Poetische„Empfindungen so frei ausgedrückt, daß sie sich selbst„in symmetrische Zeilen geordnet zu haben scheinen,„die voller Wohlklang sind, aber kein bestimmtes„Sylbenmaaß haben." Er hebt am Fest der Sou-veränität in Dännemark an:
Weht sanft, auf ihren Grüften, ihr Winde!
Und hat ein unwissender ArmDer'Patrioten Staub wo ausgegraben,