40 Fragmente zur deutschen Literatur.
So habe also unsere Sprache auch in ihrenElementen das Gothische, das sie in ihren Buch-staben hat; auch hier ist mir dasselbe eben nicht sozuwider; dort aber ist es von anderer Beschaffenheitund Nutzbarkeit. In den Elementen ist es nehmlichGenius der Sprache, Eigcnthümli ches derMundart, Charakter der Nation. Wolleuns also niemand das rauben, was Nationalschrift-stillem zur Stüze und Würde seyn kann.
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Natürlich wendet sich die Rede vom Sylbenbauzum Sylbenmaaße; und die Frage ist: welche Syl-benmaaße sind — nicht unserer Sprache möglich;sondern natürlich? Natürlich? und wie istdas zu sehen? Entweder aus der Natur der Spra-che, oder aus Versuchen. Aus dem ersten Ge-sichtspunkt merke man:
Nach Lowths Bemerkung ist selbst die Hebräi-sche Sprache zu feurig und in ihren Formen zueinfach, als daß sic so einem abgemessenen Poly-metrischen Numerus, als die Griechen nachher hat-ten, sich hatte bequemen können. Und trifft nichtdas Gegcntheil auf unsere Sprache vielleicht? Viel zuvolltönig und in ihren Formen zu zcrstücktund zusam meng esez t, als daß sie sich dem Po-
theil nichts zu meinem Zweck, und ist mehr zurSpekulation, als zur wirklichen Bequemlichkeit,so wie die unsere auch hierin von bessern Vorzü-gen anderer Sprachen übertrvffen wird.