2'6 Fragmente zur deutschen Literatur.
wie kann mau also die populäre Denkart des ge-meinen Mannes in seiner Sprache, sowohl der Ma-terie, als der Bildung nach aufsuchen?
Lassen sich nicht einige Schattcnlinien ziehen ^wie die Denkart des Volks mit der gelehrten Denk-art neben und in einander laufe? wie beide auchdie Sprache andern müssen, nachdem sie sich ver-mische», und in einem oder andern Gebiet zusam-men wohnen?
Was giebt die Denkart und Sprache des Volksdem Philosophen, Dichter und Redner, was fürMaße zu bearbeiten, für Vorrath, auf seine Artanzulegen, und für Instrumente, zu seinen Zweckenzu brauchen ? Was hat dies für Vorthcile und Nach-theile für die Weisen und den Schüler des Volks?was für gegen einander stoßende Vor- und Nach-theile für Dichter und Philosophen? für das Publi-kum, das da liefet und spricht?
Was hat in jedem Thcil der Wissenschaften dieSprache für gute und schädliche Einflüsse gehabt?Wie hat sic diesen Vorrats) geliefert? jenem Zwangaufgelegt? hier Mißgestalten gebohren? dort Wahr-heit und Schönheit zur Welt gebracht? In diesemGebiet der Gelehrsamkeit Wahrheiten dort Jrrthü-mcr verjähret?
Wie hat der Geist der Literatur sich nach denverschiedenen Sprachen geändert, in die er eingetre-ten? Was nahm er aus allen den Oertern und Ge-genden mit, die er verließ? Was nahm er vondem an, was er.vor sich fand? Und was entstandfür ein Ding aus der Vermischung und Gährungso verschiedener Materie?