i8 Fragmente zur deutschen Literatur.
zerreißen, trüglich das Auge, das eins ohne dasandere sehen will. Das ist der größte Philolog desOrients, der die Natur, der morgenlandischen Wis-senschaften, das Naturell seiner Landessprache, wieein Morgenlander versteht. Der ist ein originellerund nationaler Grieche, dessen Sinn und Zungeunter dem griechischen Himmel gleichsam gebildetworden; wer mit fremden Augen sieht, und mitbarbarischer Zunge von griechischen Heiligthümernschwatzen will: den sieht Pallas nicht an, der ist einUngeweiheter im Tempel des Apollo.
Die Literatur fremder Völker und Sprachen istoft als eine fremde Eolonie unter andere Nationeneingeführt: und nothwendig hat durch diese Zusam-menmischung von Ideen, und Sitten, von Denk-und Scharten, von Sprachen, und Wissenschaften,alles eine so andere Gestalt annehmen müssen, daßdie Literatur ein wahrer Proteus zu seyn scheint,wenn man sie durch Völker und Zeiten und Spra-chen verfolget. Entlehnte Gesichtspunkte wurden aufeine neue Art gerückt: geerbte Wahrheiten bis zumUnkenntlichen umgcpraget: halbverstandne Begriffezu Gespenstern: unrecht angesehne Gegenstände zuabentheuerlichen Gestalten: und eine Sprache, dieihre Literatur aus verschiedenen Himmels- und Erd-strichen, aus mancherlei Sprachen und Völkern bcrhat, muß natürlicher Weise ein Gemisch von ebenso vielen fremden Vorstellungsarten fern, die in ei-ner oder der andern Wissenschaft Raum gewonnen.Nachdem sie aus verschiedenen Dialekten Colonienzum Anbau ihrer Gelehrsamkeit genommen: nachdemwird sie sich auch der babylonischen Sprachenmi-