Erste Sam m l u n g.
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Jede Nation spricht also, nachdem sic denkt, Unddenkt, nachdem sie spricht. So verschieden der Ge-sichtspunkt war, indem sie die Sache nahm, bezeich-net« sie dieselbe. Und da dies niemals der Anblickdes Schöpfers war, der diese Sache in ihrem In-nern nicht blos werden sähe, auch werden hieß: son-dern ein äußerer einseitiger Gesichtspunkt: sö warddersilbe zugleich mit in die Sprache eingetragen,Eben damit konnte also das Auge aller Nachfolgeran diesen Gesichtspunkt gleichsam gewöhnt, gebunden,in ibn eingeschränkt, oder ihm mindstens aenähcrtwerden. So wurden Wahrheiten und Jrrthümeraufbewahrt und fortgepstanzt, wie vorrheiihafte oderNachthcilige Vorurtheile: zum Vortheil oder Nach-thcil hingen sich Nebcnideen an, die ost starker wir-ken, als der Hauptbegriff: zum Vortheil oder Nach-thcil wurden zufällige Ideen mit wesentlichen verewechselt: Facher gcfüllet, oder leer gelassen: Felderbearbeitet oder in Wüsteneien verwandelt: die dreiGöttinnen der menschlichen Kenntnis, Wahrheit,Schönheit und Tugend wurden so national, als csdie Sprache war.
Wenn also jede ursprüngliche Sprache, die einLandesgewachs ist, sich nach ihrem Himmels- undErdstriche richtet: wenn jede Nakionalsprache sich
nach den Sitten und der Denkart ihres Volks bil-det: so muß umgekehrt die Literatur eines Landes,die ursprünglich und national ist, sich so nach deroriginalen Landessprache einer solchen Mrion formen,daß eins mit dein andern zusammenrinnl. Die Li-teratur wuchs in der Svrache, und die Sprache inder Literatur: unglücklich ist die Hand, die beideHerders Werke z. schön. Lit. u. Kunst. I. U