16 Fragmente zur deutschen Literatur.
blicken könnte: so wagte er doch seine Hand hinaus,und riefe: Hier ist Leeres, und Nichts! Und der
hatte in einem andern Verstände die höchste Sokra-tische Wissenschaft: Nichts zu wissen! Irre ichnicht: so würden sich alsdenn aus unserer ganzen Me-taphysik von der Ontologie bis zur natürlichen Gottes-gelahrthcit Ideen wegschleichen, denen blos die Wor-te Eintritt und ein falsches Bürgerrecht gegeben —und eben sind es die, über die der meiste Streit ge-wesen. Ueber nichts laßt sich mehr zanken, als waskeine Parthci versteht, und leider! ist die Menschheitzu nichts geneigter, als erklären zu wollen , was siesich selbst nicht erklären kann.
Wir denken in der Sprache; wir mögen erklä-ren, was da ist, oder, was noch nicht da ist, suchen^Im ersten Falle setzen wir vernehmliche Töne, inverständliche Wörter, in deutliche Begriffe uM. Solange läßt sich also eine Sache zergliedern, als Wör-ter für ihre Theilbegriffe da sind — und so lange ei-ne Idee erklären, als neue Verbindungen von Wör-tern sie in ein Heller Licht setzen. Im zweiten Falle,der das Erfinden neuer Wahrheiten betrifft, ist dieErfindung eine oft so unvermuthete Folge verschiede-ner Wortverbindungen, als in der Algebra das Pro-dukt von verschiedenen Eombinationen der Zeichen nichtseyn kann: — und was kann also auch selbst in demtiefsten Boden der abstrakten Wissenschaften die Spra-che nicht für Eindrücke graben? Bey jeder Gattungdes sinnlichen und schönen Ausdrucks sind diese Ein-drücke schon sichtbarer und kenntlicher; und im gemei-nen Leben ists ja offenbar, daß denken fast nichtsanders sey, als sprech en.
Jede