8 Fragmente zur deutschen Literatur.
tcn sie nicht an ihrer Sprache, und darum geriethihnen auch'in derselben die Arbeit so gut.
Man sollte nicht glauben, wie durstig die un-sere, auch an den unentbehrlichsten Hülfsmit-teln scy, wenn man die Hülfs mittel, inson-derheit nach ihrem Innern, als Instrumente derWissenschaften betrachten will. Wenn jener Arabi-sche Weise sechzig Kameele allein mit den Wörter-büchern seiner Sprache beladen konnte; so gehörtkaum ein Maulesel dazu, unsern Frisch und un-fern Bödiker wegzutragen: denn die meisten unserervielen deutschen Gesellschaften haben an dieß edleUnternehmen auch nicht im Traume gedacht, ihreSprache zum vollkommenen Werkzeug der Wissen-schaften zu machen, auch nur so fern dieß Mach-werk mechanische Arbeit forderte: und was habenwir also aufzuzeigen, wenn uns ein Grieche undRömer in unserer philosophischen Werkstatte undRüstkammer zusprache?
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Nun ist aber die Sprache mehr als Werkzeug:sie ist gleichsam Behaltniß und Inhalt der Li-teratur — wie viel fteyes Feld geben uns diese Wortezu übersehen, zu bearbeiten, zu nützen?
Wenn Wörter nicht bloß Zeichen, sondern gleich-sam die Hüllen sind, in welchen wir die Gedan-ken sehen: so betrachte ich eine ganze Sprache alseinen großen Umfang von sichtbar gewordenen Ge-danken, als ein unermeßliches Land von Begriffen.Jahrhunderte und Reihen von Menschenaltern legten