Erste Sammlung. 7-
so entwikelt, und ausgefaltet, daß dem Poeten undPhilosophen wahrend dem Schreiben keine Runzel,kein Knote mehr unter die Hand laufen muß, derihn aufhalt? Ware man denn auch, wenn mangar kein Sonderling im Styl seyn will, waren dennauch nur die gewöhnlichen Postganger der Schreib-art , auf ihrer alten geschlagenen Landstraße, vorallem Straucheln sicher? Sollte auch Lesern vonziemlich gesunder Verdauung nicht oft, etwas hartli--ches aufs Herz stoßen? Sollte unsere Sprache schonso weit seyn, daß man in ihr, und in jeder Gat-tung der Schreibart alles so sagen könnte, als manes sagen will, und muß, so sagen könnte, daß nichtsaußer und über dem Gesagten ist? Kurz! ist dieSprache, als Werkzeug der Literatur vollkommen,schön, bequem genug? —
Will man die Antwort auf diese Fragen, soschlage man unsere besten Uebersetzer auf, die oftnicht zu übersetzen wissen, unsere beste Journale auf,die oft nicht zu entscheiden wissen, unsere' bestenGrammatiken und Prosodien auf, die keine deut-schen Grammatiken und Prosodien sind. Griechenund stöömcr, waren sie auch in allem, was siein der Sprache dachten, so weit unter uns, als cSuns oder ihnen belieben mag — in dem, wozu siedie Sprache machten, waren sie weit über uns. Wassie mit dem Werkzeuge ausgerichtet haben, mag vieloder wenig seyn; aber wie sie über ihrem Werk-zeuge selbst sich Mühe gaben, laßt sich nicht verken-nen, und sollte ein großer Lhcil ihrer glücklichenUnternehmungen nicht eben durch diese vor- undnebenanlaufende Mühe erleichtert seyn? Wie arbeite-