4 Fragmente zur deutschen Literatur.
die keinem abstrakten Begriff Herberge geben. Sollteman nicht in jedem Gebiet der Wissenschaften Ge-danken und Schriften haben, die für diese und jeneSprache durchaus unübersetzbar sind?
Wenigstens ist eine Mundart, in welcher dieLiteratur, entweder von selbst hervor geschossen, oderhinein gepfropft ist — unendlich von einer andsrnunterschieden, die man in Absicht der WissenschaftenIdiotisch nennen muß. Und es mußten, wiemich dünkt, von der Natur besondere Geister dazuersehen werden, ihre rohe Sprache zu den Wissen-schaften, oder wenn man lieber will! die Wissenschaf-ten in der Sprache zu bilden. Da diese nun ihreninnecn Beruf fühlten, daß sie gebohrcn waren, umungedachke Dinge zu denken, und ungesagte Wortezu sprechen: so folgten sie dieser Stimme; sie ver-wüsteten die Sprache, um zu schaffen, jedes Hinder-niß ward ihnen wie nichts, und zum Denkmal einerThat; sie wurden Schöpfer und Gesetzgeber und Mu-ster. Die Sprache ward, wie Sokrates sagt,die Bezähmerin der Wilden, und wie man dazusetzen kann, eine bildende Schöpferin in den Wissen-schaften.
Wer also seine Sprache zur Weltweishcit, zueProse und Poesie zu bereiten sucht: der ebnet ebendamit den Boden, daß er Gebäude und Pallastetrage. Oder noch mehr! er liefert dem SchriftstellerWerkzeug in die Hände; dem Dichter hat er Don-nerkeile geschmiedet: dem Redner seine Rüstung ge-glänzet: dem Weltweisen Waffen geschärfte, undjedem andern, der bloß für das Auge dastehet, hatseine vorräthige Hand, Anzug, Putz, und wie