der Poesie und bildenden Künste. - ßm
der Völker, der Religionen und Sprachen, endlichder Fortgang der Sitten, der Empfindungen, derKenntnisse und Erfahrungen, bewirket; ein Unterschiedder schwerlich mit Einem Wort auszudrücken seynmöcht.-i Wenn ich bei einigen Neuern das WortDichter aus Reflexion gebrauchte, so warauch dies unvollkommen: denn ein Dichter aus
bloßer Reflexion ist eigentlich kein Dichter.
Der Poesie Grund und Boden ist Einbil-dungskraft und Gemüth, das Land derSeelen. Ein Ideal der Glückseligkeit, der Schön-heit und Würde, das in deinem Herzen schlummert,wecket sie auf durch Worte und Eharakterc; sie istder Sprache, der Sinne und des Gemüths vollkom-menster Ausdruck. Kein Dichter kann dem Gesetzentgehen, das in ihr liegt; er zeigt, was er hatund nicht habe.
Auch kann man in ihr Ohr und Auge nichtsondern. Die Poesie ist keine bloße Mahlerei oderStatnistik, die Gcmahlde, wie sie sind, ohne Absichtdarstellen könnte: sie ist Rede und hat Absicht.Auf den innern Sinn wirket sie, nicht auf das äu-ßere Künstlcraüge; und zu jenem innern Sinn ge-hört bei einem gebildeten oder zu bildenden Men-schen Gemüth, moralische Natur, mithinbei dem Dichter vernünftige und humaneAbsichk. Die Rede hat etwas Unendlichesin sich; sie macht tiefe Eindrücke, die ja eben diePoesie durch ihre harmonische Kunst verstärket. Niekann also der Dichter blos ein Mahler seyn wollen.Er ist Künstler vermöge der eindringenden Rede, disdas Object, das sie mahlt oder darstcllt, auf einen