4io II. Ideen zur Geschichte und Kritik
gct sie aus seinem verwundeten Herzen, aus feinertraurig-fröhlichen Erinnerung. Thomson schildertJahreszeiten, wie die Natur sie giebt; Kleist sin-get seinen Frühling, mit oft cinbrechenden Gedan-ken an sich und seine Freunde als eine Rhapsodievon Ansichten, mit Empfindung beseelet. Indessenauch dieser Unterschied bezeichnet Dichter und Zeitender Dichtkunst sehr leise: denn auch Homer nimmtTheil an seinen Gegenständen, als Grieche, als Er-zähler, wie in den mittleren Zeiten die Balladen-sänger und Uaklisrs, wie in neueren Zeiten A r i-ost und Spenser, Cervantes und Wieland.Ein mchrercs zu thun wäre außer seinem Beruf ge-wesen und hatte seine Erzählung sgestoret. In An-ordnung und Bezeichnung seiner Gestalten aber singtauch Homer auf die höchste Weise menschlich ; woes uns nicht also scheinet, liegt der Unterschied ander Denkart der Zeiten und ist sehr erklärbar. Ichgetraue mich, in den Griechen jede reine menschli-che Gesinnung, vielleicht im schönsten Maas undAusdruck, aufzusinden; nur alles an Ort und Stel-le. Aristoteles Poetik hat Fabel, Charak-tere, Leidenschaften, Gesinnungen un-übertrefflich geordnet.
An allen Zeiten war der Mensch derselbe; nurer äußerte sich jedesmal nach der Verfassung, in der-er lebte. Sehr mannigfaltig ist die Poesie der Grie-chen und Römer! in ihren Wünschen und Klagen,in ihren Beschreibungen voll Lust und Freude. Sodie Poesie der Mönche, der Araber, der Neueren.Den großen Unterschied, der zwischen dem Morgen-und Abcndlande, zwischen Griechen und uns eintrat,hat keine neue Kategorie, sondern die Vermischung