4»8 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
Lehrern oder von seinen Neigungen geführt ward.Freilich aber mangeln uns noch viel Hülfsmittcl zudieser Uebersicht in die Seelen der Völker. Griechenund Römer beiseite gesetzt, hangen über dem Mit-telalter, aus welchem bei uns Europäern doch Alleshervorging, noch dunkle Wolken. Meinhardsschwacher Versuch über die italia irischenDichter ist nicht einmal bis auf Laßo fortgesetzt,geschweige etwas ähnliches bei andern Nationen aus-geführt worden. Ein Versuch über die spa-ni sehen Dichter ist mit dem gelehrten Ken-ner dieser Literatur, dem Herausgeber des Vclas-quez, Diez, gestorben.
Auf drey Wegen kann man sich eine Uebersichtdieses blumcn- und sruchtreichen Feldes menschlicherGedanken verschaffen, und jeder ist betreten wor-den.
Eschcnburgs beliebte Beispielsammlung wäh-let , seiner Theorie gemäß, den Weg der Gattun-gen und Arten; für Jünglinge ein lehrreicherWeg bei einem geschickten Führer: denn oft kannihn Ein Name, der sehr verschiedene Dinge bezeich-net, ganz irre leiten. Homers, Virgils,Ariosts, Miltons, Klopstocks Werke tra-gen einen Namen der Epopee, und sind doch selbstnach dem Kunstbcgriff, der in den Werken liegt, ge-schweige nach dem Geist, der sie beseelet, ganz ver-schiedene Produktionen. Sophokles, Corneil-le und Shakespeare haben als Trauerspieldich-ter nur den Namen gemein; der Genius ihrer Dar-stellungen ist ganz verschieden. So bei allen Gat-tungen der Dichtkunst, bis zum Epigramm hinunter.—
Andre haben die Dichter nach Empfindun-