der Poesie und bildenden Künste. 407
wodurch sollen wir Patriotismus und Liebe zu un-srem Vatcrlande erlangen, als durch seine Sprache,durch die vortrefflichsten Gedanken und Empfindun-gen, die in ihr ausgedrückt, die wie ein Schatz in siegelegt sind. Gewiß irrten wir nicht nach einemJahrtausend, in dem unsre Sprache geschrieben ist,in manchen Wortfügungen noch jetzt zweifelnd um-her, wenn wir von Jugend auf unsre besten Schrift-steiler kennten und sie uns zu Führern wählten.
Indessen soll keine Liebe zu unsrer Nation unshindern, allenthalben das Gute zu erkennen,das nur im großen Gange der Zeiten undVölker fortschreitend bewirkt werden konnte.Jener Sultan freuete sich über die vielen Religionen,die in seinem Reiche, jede auf ihre Weife, Gott ver-ehrten; es kam ihm wie eine schöne, bunte Aue vor,auf der mancherlei Blumen blühten. So ists mitder Poesie der Völker und Zeiten auf unserm Erd-runde ; in jeder Zeit und Sprache war sie der In-begriff der Fehler und Vollkommenheiten einer Na-tion, ein Spiegel ihrer Gesinnungen, der Ausdruckdes Höchsten, nach welchem sie strebte (oratio son-oitiva aniroi psrksota.) Diese Gcmahldc, (minderund mehr.vollkommene, wahre und falsche Ideale)gegen einander zu stellengiebt ein lehrreiches Ver-gnügen. In dieser Gallerie verschiedner Denkarten,Anstrebungen und Wünsche lernen wir Zeiten undNationen gewiß tiefer kennen als auf dem tauschen-den trostlosen Wege ihrer politischen und Kriegsge-schichte. In dieser sehen wir selten mehr von einemVolke, als wie es sich regieren und tobten ließ; injener lernen wir, wie es dachte, was es wünschteund wollte, wie es sich erfreute, und von seinen