der Poesie und bildenden Künste. 406
griff, daß wenn ihm nicht einzelne Fälle deutlich un-tergelegt werden, er wie ein Trugbild in den Wol-ken verschwindet. Sehr leer war daher der Streitüber den Vorzug der Alten oder der Neu-ern, bei welchem man sich wenig Bestimmtes dachte.
Er ward noch leerer dadurch, daß man keinenoder einen falschen Maasstab der Vergleichung an-nahm : denn was sollte hier über den Rang entschei-den? Die Kunst der Poesie, als Objekt? wieviel feine Bestimmungen gehörten dazu, das Höch-ste der Vollkommenheit in jeder Art und GattuUgnach Ort und Zeit, nach Zweck und Mitteln auszu-sindcn, und auf jedes Verglichene unparthciisch an-zuwenden! Oder sollte die Kunst des Dichters nachdem Subjekt betrachtet werden, wie viel dieser vorJenem glückliche Gaben der Natur, eine günstigereLage der Umstande, mehreren Fleiß in Nutzung des-sen, was vor ihm gewesen war, und um ihn lag,ein edleres Ziel, einen weiseren Gebrauch seiner Kräf-te dies Ziel zu erreichen zu seinem Eigcnthum mach-te; welch ein andres Meer der Vergleichung! Somanchen Maasstab der Dichter einer Nation oderverschiedener Völker man aufgestellt hat, so manchevergebliche Arbeit hat man übernommen. Jederschätzt und ordnet sic nach seinen Lieblingbegriffen,nach der Art, wie er sie kennen lernte, nach derWirkung die Der und Jener auf ihn machte. Dergebildete Mensch trägt, wie sein Ideal der Vollkom-menheit, so auch seinen Maasstab diese zu erreichenin sich, den er nicht gern mit einem fremden ver-tauschet.
Keiner Naticn dürfen wirs also verargen, wennsie vor allen andern ihre Dichter liebt m,d sie ge-