.,,02 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
Nichts verunreinigt den heiligen Quell mehr,als politischer Parthcigcist; er macht die Muse zurLügnerin, partheiiich, übertreibend, am jetzigen Au-genblick als an einer Ewigkeit hangend, und ihmdamit die Ewigkeit crthcilcnd. Die Tochterdes Himmels wird unter den Händen der Politikeine kurzsichtige leidenschaftliche Berlaumderin, einKind der Erde. Dis politische Poesie der Engländersey davon ein Beispiel. Warum hat Butler denRubm nicht erlangt, den sein Hmdibras so sehrverdienet? Das Witzreiche Gedicht stt für ein blo-ßes Gespött zu lang, für die darin enthaltene Leh-re und Warnung zu scbr mit Zeit- Anspielungenüberhaust, zu politisch. Jenes gewaltige Ver-nunft-Genie, Swift, was hat ihn für dengröficsten Theil der Nachwelt unbrauchbar gemacht ?Die politischen Umstande, aus welchen er sein Ge-spinnst zog, und in welche er seine köstlichen Gedan-ken webte. Die Politik der damaligen Zeit ist einTraum worden; es macht uns Mühe, jeden seinertiefen bleibende» Gedanken vom verlebten Traume zusondern. Wer liefet jetzt Churchills Gedichte?und wer wird Peter Pindar mit reinem Ver-gnügen lesen, wenn unsere Zeit vorbei ist? Bekla-gen wird man so viel verschwendete goldne Talente.
Mit Unwillen höre ichs also, wenn man unsrerNation einen Swift wünschet, einen bedaurenS -und hochachtungswürdigen Mann, der nur durchMisfalle ward, was er geworden ist, und vom Glückbegleitet ein Genius der Gerechtigkeit und der Klug-heit geworden wäre. Und ein Swift in Deutsch-land ? —
Hinweg also Politik aus dem Gebiet der Mu-