der Poesie und bildenden Künste. 401
daß dem Charakter unsrer Nation nach die Kritikdurchaus belehrend, fordernd, gutmüthig, humanfeyn müßte; nur auf diesem Wege kann sie etwasund würde gewiß viel erreichen. Unsrer gelehrten Re-publik mangelt äußere Aufmunterung und Achtung;wollte sie sich zum Spott der Unwissenden, und zurallgemeinen Verachtung machen, in dem sie sich selbstverspottet, würget und auffrißc?
Gnug von der Kritik. Sie äusserten den merk-würdigen Gedanken, daß die Poesie der Deutscheneine Kinderpoesie sey; ich hoffe, sie soll es blei-ben. So ihr (im guten Verstände) nicht wer-det wie die Kinder: so ist weder Tempe nochElysium für euch.
Vor allen Dingen verschonen Sie die Poesiemit Staatsmännern, die über sie richten; das Reichder Poesie ist nicht die Staatswelt.
Wenn Sophokles seinen Oedipus milderScene des flehenden Volks eröffnet; die Pest wüthet;ein geheimes Verbrechen ruht auf dem Vaterlande;Jünglinge und Greise jammern: so ist diese Situa-tion ganz menschlich. Ob Oedipus oder La jusregiere, kümmert mich nicht; daß aber um EinesVerbrechens willen das ganze Volk leide, diese Sceneeröffnet ein Trauerspiel würdig.
Wenn Aristvphanes Scenen der Mensch-heit darstellt, weßwegen Friede gemacht werden müs-se: so ist dies ein Gegenstand der Muse. Ob aberKreon der Wurstmacher, oder Kreon der Rie-menschneider das Volk lenke; diese politische Wich-tigkeit ist der poetischen Muse sehr gleichgültig.HerderSWerke z.schön.Lit.u.Kunst. Vtl. Ec -Lku.Lr»-/«.