Z96 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
ger Sitten mahlten. Immer bleibt Deutschlanddiesen Reformatoren des Geschmacks, so wie denHamburgischen Patrioten Dank schuldig; siethaten , was sie. zu ihrer Zeit thun konnten. B rei-te ngers Dichtkunst und Abhandlungen zeigen durch-aus cin.n Kenner der Alten, der seinen Geschmackan ihnen bewährt hat; auch Bodmers Bemü-hungen aus neueren sowohl ausländischen, als un-srer alten Deutschen Sprache uns einen größerenNeichthum an Gedanken, Bildern, Fabeln, Einklei-dungen und Ausdrücken als'Kunstrichtcr und Dichterzuzuführen, haben ihren Zweck nicht verfehlet. Erhat viel aufgeregt, und sich fast über Vermögen be-mühet, indem er bis in fein greises Alter wie derfrischeste Jüngling an jedem neuen Produkt unsrerSprache Theil nahm.
Warum aber mußte diese Kritik, die doch Phi-losophie ist, und ein besserer Geschmack am Schö-nen und Guten durch einen unwürdigen ^Federkriegcingessibrt werden? That nicht auch Gottschedwas er thun konnte ? Die Weisesten in diesem Streit,Haller und Hagedorn, schwiegen. Der Er-ste hat auch als Prosaist so viel Verdienst um denbessern Geschmack im Vortrage der Wissenschaften,daß ihm auch die Deutsche Kritik vielleicht den Er-sten Kranz reichet. Mitten unter stürmischen Factiv-ncn brachte, er ein schmales Blatt Deutscher Kritikunter den Schutz einer Societat der Wissen-schaften selbst und gründete ihm dadurch nichtnur Unpartheilichkcit, Billigkeit und Gleichmuth,sondern auch Thcilnahme am Fortgänge des mensch -. liehen Geistes in allen Weltgcgendcn und Sprachen.