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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 7 (1821) Abhandlungen und Briefe
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392
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Z92 II. Jdeen'zur Geschichte und Kritik55 .

Mangel an Kritik sollte die Krankheit nicht seyn,an der der Deutsche litte; unsre Langsamkeit, unsreruhige Ueberlegung macht uns, dachte ich, zu gcbohr-nen Kunftrichtern.

Gesunder Verstand war von jeher dasLob, nach welchem der Deutsche strebte. HundertSprüchwörtcr und Rcdartcn unsrer ^Sprache zeigen,daß wir auch im gemeinen Leben es auf ein Richt-maas der Sitten treu und ehrlich anlegten.

Und wir hatten Muth, unser Urthcil zu sagen.Die Reformation, die von Deutschland ausging, wareine laut- und scharfgesagte Kritik über eine Mengedamals geltenden Unfugs. So lange diese Streitig-keiten dauerten, übten wir Kritik Angriffs - undVerthcidigungsweise; andre Nationen folgten uns nach.

Und zwar thaten wir dies, (wenige vielleicht-thige Falle ausgenommen) mit einer Bescheidenheit,in der uns andre Nationen eben nicht nachfolgten.Unter allen Reformatoren der Philosophie z. B. warLeib nitz der bescheidenste Reformator. Alle Sy-steme der Alten, glaubte er, ließen sich vereinigen,weil in Jedem Etwas Wahres und Vorzügliches fty;eine solche friedliche Vereinigung war von Jugendauf der Licblingsplan unsres Weisen. Mit unüber-windlicher Gelassenheit stellete er seine Meynungenmit den Meynungen Des-Cartes, Shaftes-buri, Locke, Newton's zusammen; vor soparthciischen Ohren der letzte Streit geführt ward,