der Poesie und bildenden Künste. 339
sches Stück, groß und unregelmäßig wie das Deut-sche Reich ist; aber voll Charaktere, voll Kraft undBewegung. In jedem seiner spateren Stücke hater eine einzelne gewählte Form im leichtesten Umrißzu ihrer Act vollendet. So sein Clavigo, seineStella, sein Egmont, Tasso und jene schone Grie-chische Form, Jphigenia in Tauris. In ihr hat erwie Sophokles den Euripides überwunden. Auchaus dem Reich der Unformen rief er Formen her-vor, wie sein Faust, sein Kophtha; auch andreGcdichtartcn sind nach Form der Alten glücklich vonihm bearbeitet worden. Wer nach diesen und an-dern Produktionen, auch in Uebcrschungen aus frem-den Sprachen, die Poesie der Deutschen, formlosnennen will, der zeige mir unter Jtalianern, Spa-niern , Franzosen und Engländern bessere Formen.Wenn an mehrere ihrer Dichter das Nichtmaas ge-legt würde, das Lcßing in einigen Stücken anCorneille und Voltaire legte; wo bliebeForm und Umriß?
Bei dem Allen aber komme ich auf den An-fang meines Briefes zurück: Form ist nicht Allesin der Dichtkunst; auch muß man einer NationFormen nicht auforingen, die ihr durchaus fremdsind. Was in der Welt schadete cs uns, wenn wirkeine Italianischc Dper oder keine Englische Komö-die hätten? Diese mit allen ihren humoristischenLaunen und Charakteren ist bei uns in der Naturnicht da; und ich sehe kein Uebcl darinn, daß siefehle; auch ist die ganze Wirthschast dieser Komö-die keine Deutsche Haushaltung. Wer verbände unsalso, fremde Caricaturen anzustaumn und aus ib-
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