Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 7 (1821) Abhandlungen und Briefe
Entstehung
Seite
388
Einzelbild herunterladen
 

333 II. Jdecn zur Geschichte und Kritik

Zuerst versuchten wir dieses lyrisch; wer ist, dereine Ode U z, Klo p. s tocks, R a m l e r s form-los nennen dürfte? Der letztgenannte Dichter hatin dem, was Form der Sprache ist, in Oden, Lie-dern, Cantaten, Idyllen und Sinngedichten so vielgeleistet, und an den beliebtesten Formen eigner undfremder Werke fo oft gebessert, daß des BoilcauFeile gegen die seinige ein stumpfes Werkzeug schei-net. KlopsLocks kleinste Ode, Gcrstenbergskleinstes Gedicht ist eine lebendige Form; und, werhat uns mehrere, und angenehmere Formen gegeben,als unser Gc> tz? den man den viclförmigennennen könnte. Auf jedem Hügel des Helikons such-te seine Muse die zartesten Blumen, und band sieauf die vielfachste zierlichste Weise in Kranze undStrauschcn. Sanft ruhe die Asche dieses wahrendseines Lebens unbekannt gebliebenen Dichters! mitjedem Frühlinge blühe fortan sein Andenken auf.

Sind Kleists sammtliche kleine Gedichte oh-ne Form? Sind Wielands Erzählungen', vornleichtesten Mahrchen bis zu feinem Aga t hon undOberon hinauf formlos? Leßings Stücke vomEpigramm und Liede bis zu seiner Minnaund Emilie, Philotas- und Nathan, je-de Fabel und Parabel, ja ich möchte sagen, jedesUrthcil und Fragment dieses scharfsinnigen Weifenhat Form und ist Form, auch wo er vielleicht irretauch wo er nur lernte.

Ein andrer Dichter hat sich der Form der Al-ten auf einem neuen Wege genahet. Durch einethkilnahmlofe genaue Schilderung der Sichtbarkeitund durch eine thätige Darstellung seiner Charaktere,Goethe. Sein Berlic hingen ist ein Deut-