der Poesie und bildenden Künste. 387
denn Poesie wirkt durch Rede. Rede aber ent-halt nicht nur, sondern sie ist eine Folge vonGedanken. Ohne diese ist das schönste Sonnettein Klinggedicht ; nichts weiter. Soll ich wählenGedanken ohne Form, oder Form ohne Gedanken:so wähle ich das Erste. Die Form kann meineSeele ihnen leicht geben.
Und waren die Deutschen denn von jeher soformlos gewesen? Bei den Minnesingern finde ichdies nicht; bei Reineke dem Fuchs noch minder.Jbrt alten Lieder, Sprüche und Erzäh'ungen habeneine so gedrungene, oft so geistige Form, daß esschwer seyn würde, ein Wort hinzuzutkmn oder hin-wegzunehmen. Opitzens Manier ist freilich ein-förmig; Dank ihm aber für diese Einförmigkeit, diezum Zweck hatte, uns bei der Skansion derSylbenmaaße festzubnlten. Hätte er sich wie seineVorgänger an der bloßen Deklamation gereim-ter Verse begnügt: so wäre er freilich abwechseln-
der worden; er hätte uns aber auch auf den Irrwegaller der Nationen geführt, die bis auf den heutigenTag noch keine achte Quantität der Splbcn haben.Unsre Sprache gebietet gleichsam Form, mehrals irgend eine andre; die fran ösische, die englischeSpräche sind, mit ihr verglichen, in der Poesieformlos: denn nur Willkübr und Uebcreinkunfr hat
bei ihnen hier diese Art des Reims, dort jene Re-gel des Geschmacks festgestellt, die der Sprache selbstNach unbestimmt waren. Unsre Spkache strebt derschwersten, zugleich aber auch der schönsten und be-stimmtesten Form nach / der Form der Altem
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