386 II. Zdeen zur Geschichte und Kritik
Was ist vom Geschmack einer Nation zu halten, dieauf ihren Richtcrstühlen des Geschmacks namenlosefeile Lictoren verehret? Was ist von ihrer Gutmü-thigkeit zu halten, wenn sie falsch Maas und Ge-wicht des Urtheils öffentlich duldet?
Endlich schcincts, daß die deutsche Poesie aufdie von Ihnen angezcigte Weise eine Kinder-poesie sey und seyn werde. Sie unterhalt uns mitschönen Bildern und Abstractionen; oder zaubertuns in ein Arkadien voll Unschuld, Liebe und Ein-falt , das nirgend ist, als in der Phantasie der Dich-ter. Es ist also leicht zu begreifen, daß -Männervon Geschäften und reel - denkende Menschen sichmit Fantastereien solcher Art wenig abgebcn werden.Sie sind Spielwerke der Weiber und Kinder, übck^Haupt aber eccentrischer, müßiger Menschen.
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Form ist vieles bei der Kunst; aber nicht alles.Die schönsten Formen des Alterthums -'belebet einGeist, ein großer Gedanke, der die Form zur Formmacht, und sich in ihr wie in seinem Körper offen-baret. Nehmt diese Seele hinweg; und die Formist eine Larve.
Vollends poetische Form ist vom Gedanken undvon der Empfindung dergestalt abhängig, daß ohnediese sie wie ein schöngezimmerter Block dastehet: