der Poesie und bildenden Künste. 385
der ersten schuldlosen Menschen, liebend mit denLiebenden und selbst geliebt von der ganzen Natur,die ihm in seiner Unschuld ihren Schleier wegzog.Gerade der einfachste Dichter, dessen ganze ManierVerbergung der Kunst war, ist unser berühmtesterDichter worden, und hat manche Ausländer mit demsüßen Wahne getauscht, als sei alle unsre Poesiereine Humanität, Einfalt, Liebe undWahrheit.
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Bei der gntmüthigen Lehrhaftigkeit, die Sie denDeutschen zuschreibcn, vergessen Sie, daß Formdas Wesen der Poesie ist; und wer begreift schwererwas Form sey, wer kann sich in sic minder fügen,geschweige sich dieselbe an- und zubildcn, als einDeutscher? Unser Leben, unsre ganze Verfassung istja Unform.
Ihr gelehrter Opitz übersetzte aus allen Spra-chen; aber wie schwer! wie einförmig! Lesen Sieseine Antigone, seine Troj a n c rinn en, seinenApoll und Daphne, (eine italianische Oper,)seine Sonnette und Sinngedichte; wie schwer undeinförmig!
Zweitens. Kritik muß die Poesie als Kunstausbilden; was ist aber Kritik bei den Deutschen?Eine verpachtete Bude, eine verachtete Lastcrschule.Herders Werke z. schön.Lir.u.Kunst. VII. Bb