der Poesie und bildenden Künste. 37g
scheiden von sich, und wollten immer lernen, auchwo sie allenfalls lehren konnten. Der üble Geschmack,in den sie sich zu Hof manns waldau und L 0 -hensteins, zu Tal anders, Welse und Mc-nantes Zeiten stürzten, rührte von ihrer gutmü-lhigen Gefälligkeit gegen die sogenannten Leutevon Welt, gegen ihre Großen und Hosleuteher, die in diesem üblen Geschmack das Paradiesfanden. Vessers, Königs, Heraus, Neu-ki rch s Canzleipoesien gingen auf eben diesem platt-getretcnen Hofwege ins Verderben.
Sobald aber der Deutsche Verstand wieder zuKräften kommen konnte, zeigte sich sogleich unsereGemüthsart wieder; Ueberlegung, Biederkeit undHerz. Welche kindliche Gutmüthigkeit herrscht z.B. in Brockes Schriften! Wie ein Liebhaber ander Geliebten hangt er an einer Blume, an einerFrucht, an einen« Gartenbeet, einem Thautropfen!Mit überströmendcr Wortsülle mahlt er seinen Ge-genstand voll Liebe und Bewunderung, um ja keineandre als gutmüthige Empfindungen zu erregen.Gegen Cowleys Beschreibung von Pflanzen undBlumen «verden «vir unfern Brockes nicht tau-schen.
Die Poesie der Niedersachsen ging auf eben demWege fort. Hagedorn ist ihr schöner klassischerGipfel. Lege man mir Waller, Denhain,Gay, Noscommon, Dorset und noch eineReihe solcher Helden zusammen; Hagedornbleibt mir. Wir haben in ihm die Blüthe vonhundert lehrreichen, angenehmen, moralischen, fröh-lichen Dichtern.