368 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
Böhmen durchaus keine Hindernisse in den Weg leg-ten» und er mit der leichtesten Hand dort und hierhervorgerufen hatte, was ec wollte. In jedem seinerdramatischen Stücke lag also nicht nur ein Roman,sondern auch ein in seiner Art aufs vollkommenstenicht etwa beschriebener, sondern dargestrlltcr philo-sophischer Roman fertig, in dem die tiefstenQuellen des Anmuthigen, Rührenden, wie andernThcils des Lächerlichen, Ergötzlichen geöffnet und an-verwandt waren. Sobald also jene alten Ritter-undLiebesgeschichten, von denen zuletzt PhilippSidncy 's Arkadia sehr berühmt war , einerneuern Denkart Platz inachten; so konnte man inEngland kaum andre als Romane in Shake-speare' s Ma n i er , d. i. philosophische Roma-ne erwarten.
Der Weg zu ihnen war freilich ein beschwerli-cher Weg; er ging durch Politik und Geschichtet DaEngland das erste Land in Europa war, in welchemder dritte Stand über Angelegenheiten des Reichsmitsptechen durfte, und von den Zeiten der Elisabethan es ein so bewerbsamer Handelsstaät geworden war:so gingen die cigenthümlichen Sitten seiner Einwoh-ner natürlicher Weise freier aus einander.Nicht alles war und blieb blos König, Baron, Rit-ter, Priester, Mönch, Sklave. Jeder Stand zeich-nete sich in seinen Sitten ungestört aus, unddurste nicht eben, um der Verachtung zu entgehen,Sitten und Sprache seiner höher» Mitstande nachah-mcn; kurz, er durfte sich auch in seinem Irrnonr zeigen. Ohne Zweifel ist dies der Grund,
warum ,