366 17. Ideen zur Geschichte und Kritik
schreiben. Seine höchste und liebste Figur in denNachtgcdankcn heißt Parenthyrsus, (Ue Ver-treibung) die zwar allenthalben die witzigsten Ti-raden, Eine aus der andern, hcrvortreibt, und un-säglich viel schöne Sachen sagt, am Ende aber dochnichts thut, als den menschlichen Verstand über seinenatürliche Höhe schrauben. Mich wundert, daß mantzsoung je für einen tiefsinnigen Dichter gehaltenhat; ein äußerst witziger, parenthyrsisch-beredter, nachOriginalität aufstrebender Dichter ist er auf allenSeiten. Reich an Gedanken und Bildern, wußteer in ihnen weder Ziel noch Maas; wie er auf P o-p e's scherzhaften Rath in Thomas von Aquinodie Englische Theologie studiere, so würde er dieseallenfalls auch im Koran studirt haben. Wenige Dich-ter sind daher mit so viel Vorsichtigkeit, wie Er, zulesen; in seinen Nachtgedanken, wie der Name sagt,ist er als ein Denker zu prüfen und jede Coq net-te rie des Witzes für das zu halten, was sie ist,wenn sie auch die heiligsten Sachen beträfe.
Thomson, wie unser Geßner und Kleist,ein liebenswürdiger Name. Erfunden hatte er seineGcdicktart nicht, ob sein Verehrer Aikin ihm gleichdiesen Ruhm zuschrcibt; in Mil ton u. a. lag sie,vielleicht in einem Keime, der künftig einer nochschöneren Entwickelung fähig ist, längst da. Thom-son aber hat den Keim überlegend erzogen; dessengebühret ihm die Ehre. Zu gut wußte er selbst, daßJahrszeitcn sich in Worten und einförmigen Iam,-ben nicht mahlen lassen ; er behandelt also sein The^ma, wie er die Freiheit, die Burg der Träg-heit und andre Gegenstände behandelte, philosophisch.