der Poesie und bildenden Künste. 365
Systeme so gut er konnte und hat sie fast durchge-hends vortrefflich gereimet. Auch Charakterereimte er meistens in Gegensätzen, scharf und schnei-dend, insonderheit wo der Affekt ihm die Feder schärf-te; also daß Pope's Gedichte für eine gereimteBlülhenfammlung aller Moral, auch vieler Welt-kenntnis und Wcltklugheit dienen können. Höherhinaus aber reichte sein Genius nicht. Von H o-raz liebenswürdiger Satyte, geschweige von seinerpraktischen Welt - und Lebensweisheit hatte P ope'sGcmüthsart keinen Begriff; und man muß durch-aus Engländer scyn, um in seinem Homer den al-ten oder gar den bessern Homer zu finden. Dievon ihm den Römern nachgeahmtcn Stücke zeigenden fürchterlichen Unterschied, der zwischen ihrer undunsrer, wenigstens ihrer und Pope's Poesie war.Ihre Muse geht im natürlichen Gange der Spracheedcldenkcud melodisch einher; die Popische Muse gehtzwangvoll und gebrechlich, oft sogar unedel daher', überund über bedeckt mit einem Geklingel von Reimen.
Noch zwei vorzügliche Dichter folgen auf Pope,Pvung und Thomson. Jener, der durchausrin Original seyn wollte, wetteiferte in seinen Nacht-gedanken mit Shakespeare , Milton, Popeund allen Lehrdichtern der Welt, in seinen Satyreitmit Swift, (den er sehr unwcrth behandelt), mitPope und allen Satyrendichtern, in seinen Trau-spielett mit Shakespeare, Otway u. f. Einkühner Versuch, original zu scyn, mit welchem eraber doch am Ende nichts als Sermons, Predig-ten zu Stande brachte, er mochte sie Nachtgedan-km, oder Oden, Satyren oder Trauerspiele über-