362 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
kunstvoller von sich zu treiben gewußt hätte, alsMilton. Und wie in seinen beiden Paradiesen warder in seinem Lycidas und .Comus, in seinemAllegro und Pcnseposa, selbst im Samsonund andern Gedichtarten in Ansehung der SpracheNtH Anordnung der Gedanken, insonderheit in sei-nem musikalischen Versbau, ein von seiner Nationnoch unerreichtes Muster. So lange die englischeSprache lebt, wird Mil ton der Anführer ihresChorgesangs in Jamben, der erzählenden Na-turbeschreibung in eben diesem Sylbcnmaaße,und im Ausdruck des Affekts jener monodischenKlage bleiben, die seine Nation nach ihm soviel-fach gebraucht hat. In jeder Zeile des Gesanges ister der Vater eines poetischen Numerus und Rhyth-mus, den der blinde Barde mit Ucberkegungerfand und seiner unharmonischen Sprache mit sehrharmonischem Ohr gleichsam aufzwang.
Neben Mil ton lebte Cowlcy, ein gleichfalsgelehrter, von ihm aber sehr verschiedener Lichter.Geübt in der Sprache der Römer, durchdrungen vonder Schönheit der Natur, deren Pflanzen und Bau-me er mir liebendem Fleiße besang; noch mehr durch-drungen von der praktischen Philosophie der Alten(wovon seine schönen Versuche in Versen und Prosezeugen,) hatte er dennoch das Unglück, mit seinersogenannten pindarischcn Ode ein glänzend bösesBeispiel aufzustellen, dem man nur zu oft nachge-folgt ist. Pin dar nämlich in seiner Ode ist nietrunken; jedes Bild, jede mythologische Geschichte, jajeder Spruch in ibm stehet umschrieben da, und derganze Gang des Gesanges ist weise geordnet. Der