356 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
von Anfänge bis zu Ende seines Lebens ihn bcßwe-gen nicht bitter beklaget? So treffend seine Strei-che, so vernünftig seine Raserei in Einkleidungenund Gleichnissen scyn mag, wie anders sind seineSatze und Sprüche, wo er reine Vernunft«-dct! Alles, was die Engländer Humour nennen,ist Ucbertrcibung; ein verzeihlicher Fehler der Natur,der hie und da zur Schönheit werden kann, nuraber zu einer 'National - und Zeitschönhcit. DieAlten kannten das Reizende eines kleinen Eigensinnesauch; sie waren aber weit entfernt, die ganze Ge-stalt eines Menschen als Unform diesem Einen Zu-ge aufzuopfcrn. Nur dahin ist Homour zu sparen,wohin er gehöret; und die gemeine humoristischePoesie hat das Unglück, daß sie sich mit dcp Stun-de selbst überlebet.
Was vom Lobe und Tadel gilt, gilt auch vonder sogenannten poetischen Beschreibung.Alle Poesie ist von der Zeit abgedankt oder wird vonihr abgedankt werden, die durch Bilder und Gleich-nisse die Sache selbst, die durch Farben und Zier-rath das Bild verdunkelt. So Manche poetischeL an d b esc h r ei b un g der Engländer steht da, daßsie uns mit sehenden Augen blind mache; so man-che andre, daß wir bei Umschreibungen be-kannter Gegenstände oder Begriffe garnichts denken sollen. Die meisten metaphysi-schen Gedichte aller Nationen hat ein neuesSystem der Folgezeit sanft in Vergessenheit gebracht;die Dichtkunst vollends, die unter dem Vorwände,neue Erfindungen zu schildern, und das Wörterbuchneuer Künste und Handwerke poetisch zu ergänzensich anmaaßt, sie gehört völlig unter die unfreien