der Poesie und bildenden Künste. 25 r
der Gegenstand war groß und neu; Wunder derNatur, ungesehene Dinge wurden beschrieben; inWissenschaften kam ein neues Universum zum An-blick; und doch thatcn die Gesänge von ihnen beiweitem nicht die Wirkung, die einst vielleicht einkleiner Fabclgesang gethan hakte. In dem Verhält-nis', als hie und da der Reichthum, die Pracht undFreigebigkeit alter großer Familien sank, erlosch auchder Glan; ihrer alten Thaten; mit ihren Hofhal-tungen gingen auch ihre Lobgesänge hinunter. —
Die Reformation endlich und die Philosophie,die ihr folgte, schufen der Poesie völlig eine andereZeit. Jahrhunderte lang hatte man Klagen ange-stimmt über den verderbten Zustand der Elerisey undaller Stande; die Zeit war gekommen, da die Er-bitterung aufs höchste stieg, und nicht minder inVersen als in Prose ihre scharfen Pfeile abschoß.Eine Menge Satyrcn dieses Inhalts, zum Theilvoll Geist und Herz, erschienen; Schade, daß siesich mit der Zeit selbst überlebt haben: denn dau-rende Gesänge konnten sie nicht bleiben. Die Re-formation selbst ist weniger eines heroischen Lob-als eines philosophischen Lehrgedichts fähig; die Ver-dienste der Reformatoren zeigen sich würdiger in ih-ren Lebensbeschreibungen und eignen Schriften alsin Heldengesangen und Oden. Ueberhaupt verjagtedas neue Licht und die zugleich mit ihm aufkom-mende Streittheologie aller christlichen Parthcien inEuropa sowohl die Schatten des Aberglaubens, alsmanche schöne Einkleidungen, die für die Einfaltder mittleren Zeiten sehr weise ersonnen waren.