340 H- Ideen zur Geschichte und Kritik
Da indessen bei einem so lebhaften Volk, wiedie Griechen waren, auch das Geschriebene zum le-bendigen Vortrage geschrieben war, indemHerodot z. B. einige Bücher seiner Geschichte zuOlympia wie ein Gedicht vorlas, und in den griechi-schen Republiken die öffentliche Beredsamkeitjeder Art des Vortrages, selbst der Philosophie, denTon angab: so mußte nothwendig auch in Schriftender Griechen sich lange Zeit jene alte, wenn ich sosagen darf, poetische Weise erhalten: zu schrei-ben als ob man spräche. Schreibend trugman v o r; man schrieb gleichsam laut und öf-fentlich, als ob zu jedem Buch ein Vorleser,wie sein Genius, gehörte. Ohne Zweifel ist diesesdie Ursache, warum in der Pcose der griechischePeriode so künstlich und schön, wie in keiner andernSprache, ausgcbildet worden; der offne Mund derGriechen, die Poesie, die ihm vorging, und deröffentliche Rede vortrag, der den Rhapsodiender Poesie folgte, hatten ihn geformet.
Bei den Römern nicht anders: denn auch beiihnen herrschte die Beredsamkeit, und der öf-fentliche Vortrag. Ihre Gedichte lasen sieöffentlich vor; aus Persius, Juvenal, Pl>-nius u. a. wissen wir, mit welcher Sorgfalt, mirwelchem Aufwande von Kunst, zuletzt von Zierereyund Thorheit.
Bei Griechen und Römern war das Bücher-ei) esc n anders, wie bei uns, bestellt. Man laSviel weniger: große Bibliotheken waren selten unddie Büchermaterialien kostbar. Man schrieb also auchweniger. In Rom schrieb nicht jeder Sklave un»