der Poesie und bildenden Künste. 337
der Worte an bis zum Bau ihrer Sylbenmaaße undPerioden ein Muster des Wohlklangcs, der Zusam-mcnfügung, der Bedeutsamkeit und Grazie des Aus-drucks; die lateinische Sprache eifert ihr nach. Wiein Statuen und Gebäuden die Kunst der Alten E i n-falt und Würde, Bedeutung und Anmuthzu vereinigen wußte; so vereinigen es die Meister-werke ihrer Sprache. Wer in Homer und Pin-dar, in Herodot, Plato, Cicero, LiviuSund Horaz diese Schicklichkeit und Congruenz derTheile zur Eurythmie des Ganzen weder zu finden,,noch anschaulich zu machen weiß, der ist des Geistes,in dem sie arbeiteten und dachten, nicht inne gewor-den. In wenige Werke der Neueren hat sich dieserorganische Geist ergossen; wo er erscheint, macht er«in Werk seiner Natur nach unsterblich. Einfalt al-so und Würde, Bedeutsamkeit und Wahlordnunghaben wir von den Alten zu lernen, um unsrerDenkart und Sprache im Kleinsten und Gräßcsteneine solche Gestalt zu geben.
Aber das Anständige der Alten erstrecket sichweiter, indem Charaktere, Sitten, Grund-sätze und Meynungen nicht etwa nur zu schil-dern, sondern darzustellen und zu verknüpfen derZweck ihrer erlesensten Werke war. Die Tugend istein rr«Xov, ein Anständiges und Vortreff-liches, das mit Liebe gesucht werden will und nurdurch unabläßige Uebung erlangt wird. Ihre bestenSchriftsteller jeglicher Art zeigen darauf als auf daSZünglein der Waage menschlicher Handlungen undden edelsten Kampfpreis des menschlichen Lebens.
Herders W.z.schön.Lit.u.Kunst. VH. ZI -tL/i-.ik L,re/e.