332 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
Druck einer schlechten Sprache und einer sinnlosenMitwelt leiden, zeigt eben ja die Geschichte so-wohl der rohen, als der mittleren dun-keln Zeiten. Giebt cs eine Kunst der Sprache;was vermag ohne Werkzeuge der Künstler?
Ueberdem, wie schwer wirds eben dem feurig-sten Kopf, sich innerhalb dcr Grenzen zu halten, indenen das Wahre, Gute und Schöne Einsist, und eben auf diese, die einzige Weise, inForm und Inhalt, dadurch was man sagt, und wieman es sagt, ewig zu- werden. Ihm also sowohlals denen, für die er arbeitet, ist Lehre nöthig, eineDisc > pli» , die uns für andre, andre für unszubercite, beide vor Ausschweifungen sichre, und demarbeitenden Genius leere Versuche, von denen ermit Reue zurückkommen müßte, erspare. Oft istdas Genicom Edelstein, dcr tief im Schacht liegt,in einer harten Rinde begraben; die Rinde muß ge-sprengt, der Edelstein von dcr Hand des Künstlersbearbeitet werden, n. f. — Wem gab nun die Na-tur das eigentliche Kunst ialent in größermMaaße, als den Griechen? Auf dcr ganzen Erdekeinem Volke wie ihnen. Gleichsam vom Instinktgeleitet erfanden sie jeder Gestalt und WissenschaftMaas, Ziel und U m r i ß. Nicht nur das zuViele, das Ungehörige sonderten sie ab, sondern auchdem Bleibenden, der Gestalt selbst, gaben sie Fül-le, Leben und Anmuth.
Wollen aber Griechen und Römer, sofern sieGriechen und Römer sind, hiemit eine Monarchieerrichten? wollen sie Nationalcharaktere unterdrücken,lebende Sprache verdrängen, oder verschlimmern?