3i2 II. Ideen zur Geschickte und Kritik
vertiffements auch kamen, nahm sie mit Freudenauf, weil sie bei Hofe erfunden waren, weil man siein höheren .Ständen belachte. Es war eine Hof-Art (cortssania), sie schön zu finden-
So gewiß ists, daß nichts bleibend schön seynkann, als das Wahre und Gute. Keine Kunst,kein Künstler vermag von einem falschen Schimmerder Macht und Hoheit, vom geschminkten Reiz derWollust und Ueppigkut, oder von der Schwärme-rei ein Ideal zu borgen, das bestehe und fortdaure.Was unrein dem menschlichen Gemüthe ist, mußihm früher oder später auch in der Poesie unreinerscheinen: denn nur fürs menschliche Gcmüth wirdgedichtet.
Jene Romane voll Langweiligkeiten des Rittcr-thums, voll falschen Glanzes der Hofsitten, odergar jene Gemahlde des Gartcngottes und der Göt-tin Eraxula, was sind sie unter dem Fuß der Zeitworden? Schlamm und Moder. Es ist Gesetz derNatur, daß auch in der Poesie und Kunst nur dasWahre und Gute bleibe.
Der Keim, der davon auch in der Dichtkunstder mittleren Zeiten lag, ist nicht verweset. Frucht-reich hat ihn die Zeit ausgebildet: denn in de»drei großen Namen: Liebe, Ehre und An-dacht liegt Alles, was die Menschheit wecken, diePoesie beleben kann. Sie sind mehr als Patriotis-mus; ein weites und tiefes Meer der Seligkeit,aus dem die Schönheit entsprang und in welchemsie sich spiegelt.
r. Andacht. Freilich ists nicht jedem Geist