Zv2 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
sich Alles ordnet. Es ist zu erweisen, daß allesGute und Mangelhafte des französischen Theatersoffenbar aus Repräsentation, aus französi-scher Repräsentation erwachse» sey, als ei-nem der Nation unableglichen Charakter. Jene Leb-haftigkeit und Nacur des Spiels mit Anstand undGefälligkeit begleitet, jene Klarheit nicht nur in derExposition sondern auch in der ganzen OekonomiedcS Stücks, insonderheit in der Folge und Bindungseiner Scencn; in der Oper das Feierliche der Chöre,die Pracht der Dccoralion u. f. kurz, was Repräsen-tation fordert und geben kann, ward dort gegebenund ausgebildet. Dagegen was Repräsentationnicht leistet, was manchmal, z. B. im Trauerspiele,sie sogar nicht wünschet und gern verbirgt, die tiefereWahrheit und Natur der Leidenschaften dem franzö-sischen Theater, verglichen mit dem griechischen undenglischen, oft fremd blieb. Sowohl der Herois-mus als die Liebe erscheinen in der französischenTheatcrkunst, (von vortrefflichen Ausnahmen ist hiernicht die Rede) nach dem Gesetz einer.National-Con-vention repr äsentiret; diese Convention herrschtin Allem, im Ton der Stimme, in der Kleidungund Geberde, in jedem Schritt und Tritt des ActeurSund der Actrice. Wenn Der oder Jene aus die-sem Gleise des Anstandes glücklich herauszutretcnwußten; so ward ihre Ausnahme bald selbst zur con-ventionellen Regel. Fast auf alle Werke des Geistes,selbst der Wissenschaft, erstreckt sich diese französischeRepräsentationsgabe; auf ihre gerichtlichen und Kan-zel-Reden, auf ihre Akademien und Elogicn, selbstauf ihre Staatsverhandlungen und Staatsgrundsätze;in ihnen erscheint die Gerechtigkeit, die Andacht,